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Bilder vom CSD Frankfurt im Laufe der Jahre vor gelben Hintergrund

Als kuratorische Leitung plante Julia Marzoner zwei Jahre lang „Apropos Sex“ im Museum für Kommunikation Frankfurt. Bild: Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

 

Für “Apropos Sex” hat Julia Marzoner in Archiven gestöbert, Konzepte ent- und verworfen und mit unzähligen Menschen über Sex gesprochen. Was dabei am meisten Spaß gemacht hat und was dey sich für Gespräche über Sexualität wünscht, beantwortet dey in unseren “5 Fragen”.

 

1. Warum wolltest du “Sex” ins Museum für Kommunikation bringen?

Die Idee für eine Ausstellung über Sex in diesem Museum gab es schon länger. Schließlich gehört Kommunikation bei allen Aspekten von Sexualität dazu. Ich fand aber besonders die Schnittstelle von Normalität und Sex interessant. Denn gerade hierbei gibt es sehr viele Vorstellungen davon, was als normal angesehen wird – ob es um Aufklärung, sexuelle Anziehung oder Partnerschaft geht.

Diese Annahmen, was “normal” ist und was nicht, sind eng verwoben mit gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Werten. Und diese sind gar nicht so stabil, wie wir uns das vielleicht vorstellen. Die Ideen von sexueller Enthaltung vor der Ehe, von minimaler Aufklärung oder von Enthaltsamkeit als einziger Art der Verhütung haben alle im letzten Jahrhundert größtenteils ihre Gültigkeit verloren. Mit dem Blick in die letzten hundert Jahre wollte ich in der Ausstellung zeigen, dass die Vorstellung von „normaler Sexualität“ stets im Wandel ist. Vielleicht werden die Besucher*innen auch dazu angeregt, über die Veränderungen nachzudenken, die sie in der Zukunft sehen möchten.

 

2. Was hat dir bei der Arbeit als Kurator*in am meisten Spaß gemacht?

Die Arbeit hat eigentlich die ganzen zwei Jahre für Freude und Schabernack gesorgt. Wir waren ein tolles Team und sind dem Thema offen gegenübergetreten. Dazu gehörten natürlich alle möglichen Witze und Sprüche zum Thema Sex. Der „Jour Fixe Sex“ stand schließlich wöchentlich in unserem Kalender. Große Freude bereitet hat am Ende die Eröffnung. Kurz nachdem die letzten Schrauben eingedreht worden sind, standen die ersten Besucher*innen im Raum, das Ausstellungslicht war an und die Stimmung war voller Spannung und Entdeckungsfreude.

 

3. Hast du ein Lieblingsobjekt in der Ausstellung?

Bei allen sorgfältig ausgesuchten Objekten in der Ausstellung ist es schwer, einen Favoriten zu finden. Wir haben uns lange und ausgiebig damit beschäftigt, wie wir die Themenfelder und Geschichten mit Objekten erzählen können. Da sind die verschiedenen Aufklärungslehrmittel oder die überraschenden Schätze aus der eigenen Sammlung.

Besonders wichtig ist mir aber ein Objekt, das eine Vielzahl von Geschichten erzählt: der Kamasutra-Tastbildband. Das Kamasutra an sich ist ja schon ein Buch, das aus der Ecke erotischer Literatur seit Jahrzehnten nicht mehr wegzudenken ist. In der Ausstellung haben wir aber eine spezielle Version, mit Braille-Texten und Illustrationen zum Ertasten. Anhand von diesem Objekt erzählen wir davon, wie leicht oder schwer die Zugänglichkeit zu Sexualität, Erotik oder Kommunikation darüber sein kann. Erotische Audiogeschichten, vielseitiges Sexspielzeug und Aufklärungsunterricht von früh auf und in allen Schulen, das alles kann es für Menschen einfacher machen, ihre Sexualität selbstbestimmt auszuleben.

 

4. Wie sollten wir gesellschaftlich das Gespräch über Sexualität(en) weiter führen?

Es ist schwierig zu sagen, dass wir diese eine Sache machen können, damit wir in der Gesellschaft leichter über Sexualität reden können. Es ist immer ein Wechselspiel zwischen Veränderungen auf privater und öffentlicher Ebene. Bei sich selbst anfangen, offener über Sexualität nachzudenken und zu reden, kann andere dazu inspirieren. Gehen gesellschaftliche Akteure aufgeschlossen und vielseitig mit dem Thema um, ist das allen anderen ein Vorbild. Schlussendlich liegt es an uns allen, wie wir in dreißig Jahren über Sexualität reden.

 

5. Was war dir bei der Kuration der Ausstellung besonders wichtig?

Zentral bei der Arbeit an dieser Ausstellung war mir die Multiperspektivität. Das Thema Sexualität und Kommunikation ist an sich schon komplex, dann kommen noch die vielen verschiedenen Blickwinkel darauf dazu. Es lag mir am Herzen, Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Geschichten zu Wort kommen zu lassen, um die Vielfalt von der persönlichen Seite her zu zeigen.